Dienstag, 20. Dezember 2022

Zwei Corona-Frauen (L)

 

Er kennt sich auch
mit Fliegen aus.

Als Karl Lauterbach die Maskenpflicht für immer wollte

"Das ist aber ein lauter Bach", sagt Frau Schulze und zieht ihren Mantel über die Knie. "Und kalt es auch noch."

Frau Meier, die einen Stock ins Wasser wirft, friert dagegen nicht, weil sie nicht am Ufer kauert, sondern sich bewegt. Weihnachten 2050 soll es sogar wieder einmal schneien. Altkanzler Olaf Scholz, der in einem Altersheim in Hamburg Aktien sammelt, die so grün wie möglich sein sollen, führt das auf seine Klimapolitik zurück, die er während seiner Amtszeit als Bundeskanzler konsequent verfolgt hat. Sein Motto "Wenn irgendwo das Licht ausfällt, wird sofort das benachbarte Atomkraftwerk wieder hochgefahren" sei goldrichtig gewesen. Über die Corona-Politik von Karl Lauterbach kann das niemand sagen. Auch Frau Meier nicht.

"Diesen Bach", sagt sie und hilft ihrer Freundin auf die Beine, "hat unser damaliger Bundesgesundheitsminister in seinem Weihnachtsurlaub 2022 gebuddelt. Aus lauter Wut über die Abschaffung der Maskenpflicht, die um diese Zeit von den ersten vier Bundesländern abgelehnt worden ist."

"Der hat sich damals aber auch ganz schön verfranst. Nun sollte die Maske auch noch vor der Grippe schützen", nimmt sich Frau Schulze selbst in die Arme. "Und für den Frühling hatte er sich auch schon was ausgedacht."

"Lass mich", hüpft Frau Meier von einem Bein auf das andere, nicht weil sie friert, sondern aus Heiterkeit. "Lass mich das sagen."

"Dann wiederhole seinen Satz, den er am 17. Dezember 2022 gesagt hat."

"Im Frühling soll es viel mehr Fliegen geben als sonst, die uns beim Spaziergehen oder Radfahren in den Mund fliegen könnten."

"Das waren zwei Sätze. Macht aber nichts."

Zwei Corona-Frauen (LI)


 

Montag, 14. November 2022

Zwei Corona-Frauen (XLIX)

 

   11. November 2022.
Gesund sein ist nicht immer gut

"Damals bin ich leider meistens gesund gewesen", dreht Frau Meier den Zeitungsausschnitt um und fragt ihre Freundin, ob sie damals auch mit Flüssiggas geheizt hat. 

"Wie kommst du denn darauf?", nimmt Frau Schulze ihrer Freundin den Zeitungsausschnitt aus der Hand und liest, was auf der anderen Seite steht und das eigentlich Ausgeschnittene ist. "Ich habe damals bei Aldi nur eine Dose davon gekauft. Wie man aus flüssig gewordenem Gas wieder eine gasförmige Flüssigkeit macht, konnte mir aber nicht einmal mein ehemaliger Chemielehrer erklären. Er hatte es probiert und war dann umgezogen." 

Frau Meier, die vorübergehend vergessen hat, dass sie sich eigentlich über ihre Gesundheit Ende 2022 beklagen wollte, interessiert sich nun scheinbar eher für das Schicksal des ehemaligen Chemielehrers von Frau Schulze.

"Warum umgezogen?"

"Er wurde damals von einem Schnellgericht zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, weil das Haus, in dem er wohnte, in die Luft geflogen war."

"Bei Netto gab es damals einige sehr leckere."

"Gefängnisse?"

"Nein. Schnellgerichte. Ich mochte besonders den Höllenhund. War der scharf."

Frau Schulze hat auch damals diesen Höllenhund nicht gemocht. Sie mag ihn immer noch nicht. Wenn sie etwas nicht mag, wechselt sie das Thema.

"Anfangs hast du gesagt, dass du 2022 leider meistens gesund gewesen bist. Warum leider?"

"Weil ich als Kranke nicht so oft isoliert worden wäre."

"Wegen dieses Kompromisses, den der Bundesgesundheitsminister mit den Ländern geschlossen hat?"

"Genau. Da es vier Bundesländer gab, die Kranke nicht mehr isolieren wollten, verpflichteten sich vier andere Bundesländer, Gesunde nicht mehr zu isolieren. Daraufhin preschten vier weitere Bundesländer vor und isolierten keine Kranken mehr, die nicht älter waren als 40, während die restlichen vier Bundesländer Gesunde isolierten, die jünger waren als 80."

"Und dazu gehörte unser Bundesland. Da ich meistens krank war, musste ich mich zur Arbeit schleppen, während du als meistens Gesunde die Beine hochlegen konntest." 

Die zwei Corona-Frauen (L)



  

Montag, 10. Oktober 2022

Zwei Corona-Frauen (XXXXVIII)

10. Oktober 2022

Eine Seuche ohne Plünderungen

"Irgendwo müssen sie doch sein", nimmt Frau Meier im Schlafzimmer auch noch ihre Unterwäsche aus der Schublade ihres Kleiderschrankes.

"Was suchst du denn?", fragt Frau Schulze.

Frau Meier dreht sich kurz um. Sehr kurz. Wühlt weiter.

"Die Kontoauszüge für die Mietüberweisungen aus den Jahren 2020 und so weiter."

Frau Schulze liegt zu bequem auf dem Bett von Frau Meier, um sich ebenfalls an der Suche zu beteiligen. 

"Was für Mietüberweisungen?"

"Für die Lagerhalle, die wir im Viertel damals gemietet haben. Für Toilettenpapier."

Nun erhebt sich Frau Schulze doch. Aber nur leicht.

"Ich habe damals im Fernsehen den Film ´Contagion´ von Steven Soderbergh gesehen. Es ging um einen Virus, der mich doch sehr an Corona erinnerte. Die Leute gerieten in Panik, plünderten Geschäfte, ein blogger wurde reich mit dem Verkauf eines Wundermittels, das allerdings völlig wirkungslos war."

Nun dreht sich Frau Meier länger um.

"Dieser Regisseur hat sich eben geirrt. In solchen Zeiten kaufen die Deutschen Toilettenpapier und freuen sich, wenn sie noch etwas bekommen. Wenn nicht, kommen sie am nächsten Tag wieder."

"Warum eigentlich?"

"Weil es dann auch Deutsche gibt, die behaupten, dass es das Virus gar nicht gibt. Das beruhigt. Und nicht ein blogger, die Pharmaindustrie wird reich."

"Mit wirkungslosen Mitteln?"

"Dazu sage ich jetzt nichts. Ich hab sie."

Frau Schulze legt sich wieder bequem aufs Bett.

"Da ist der Beweis. Wir haben die Lagerhalle damals für 30 Jahre gemietet und bezahlt. Steh auf. Wir schauen mal nach, wie viel Toilettenpapier in der Halle ist. Die anderen aus dem Viertel sind inzwischen ja fast alle tot."

Zwei Corona-Frauen (XLIX)