Montag, 17. Januar 2022

2 Corona-Frauen (XIX)

"Hannoversche Allgemeine Zeitung"
17. Januar 2022

Eichhörnchen sind nur noch zwei Minuten tot


 "Du springst ja wieder herum wie ein junges Reh", freut sich Frau Meier mit Frau Schulze bei einem Waldspaziergang.

"Mein Fuß war ja auch nur verstaucht. Das renkt sich ja schnell wieder ein", hüpft Frau Schulze über einen Maulwurfshügel. "Immerhin gelte ich jetzt für drei Monate als genesen."

"Wann hat das Robert-Koch-Institut eigentlich diese Genesungs-Frist verkürzt?", bückt sich Frau Meier nach einem Tannenzapfen, der sich geöffnet hat. "Das Wetter bleibt gut."

"Aber auch nur bis zum Abend. Schönes Wetter gibt es laut Robert-Koch-Institut nur noch für maximal 48 Stunden. Und um auf deine Frage zurück zu kommen. Dass man von Corona nur noch drei Monate geheilt ist, wurde im Januar 2022 so festgelegt."

"Jetzt, wo du es sagst", hebt Frau Meier den geöffneten Tannenzapfen doch nicht auf. "Und dann wurden für alle Krankheiten und Unfallfolgen solche Fristen festgelegt."

"Sogar dem Tod wurde eine Frist gesetzt."

Frau Schulze und Frau Meier lachen so laut, dass ein Eichhörnchen vom Baum fällt. Das Tier ist tot. Die beiden Freundinnen untersuchen das Tier, machen sich aber keine Sorgen. 

"Wenn ich das noch richtig weiß", sagt Frau Schulze, "dann flitzt das Eichhörnchen in einer Minute wieder den Stamm hoch."

"Weil dann die Todesfrist endet, die vom Robert-Koch-Institut für Eichhörnchen auf zwei Minuten gesenkt worden ist."

Die zwei Corona-Frauen

 

Sonntag, 16. Januar 2022

2 Corona-Frauen (XVIII)

t-online, 10. Januar 2022

Nichts reimt sich auf Virus

 "Wie hieß die noch gleich?"

Frau Meier, die nach dem Nacktbaden im Kiesteich immer Probleme mit ihrem BH bekommt, will von anderen Frauen nichts hören. 

"Mir doch wurscht. An mich reicht doch sowieso keine heran."

"Aber es geht um Dichtung. Um Gedichte, die ich damals geschrieben habe. Sie hatte im Deutschen Bundestag einen Parlaments-Poeten gefordert."

Der Verschluss schnappt zu. Nun kann Frau Meier auch ihre Bluse anziehen. 

"So einen wie Heinrich Heine? Denk ich an Deutschland in der Nacht..."

"Ja. So ähnlich. Heine hatte ja Sehnsucht nach seiner Heimat, als er das schrieb."

"Bekam ich auch immer, wenn der Bundestag tagte. Meine Eltern kommen ja aus der Schweiz."

"Ich hab´s. Die hieß Katrin Göring-Eckardt. Ich habe mich damals sehr schwer getan mit den Gedichten. Auf Virus reimt sich doch nichts und auf Omikron schon gar nicht. Also habe ich es mit Bakterien versucht."

"?"

"Hier. Ich lese mal vor. Ich schriebe gern in Serien, neue Zeile, Gedichte über Bakterien."

"Gar nicht so schlecht", sagt Frau Meier und streicht ihren Rock glatt. 

Die zwei Corona-Frauen (XIX)


 

Donnerstag, 13. Januar 2022

2 Corona-Frauen (XVII)

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Januar 2022
Tolles Zeug mit toller Nebenwirkung

"Das war vielleicht ein Teufelszeug", fängt Frau Schulze sofort an zu schwärmen, als Frau Meier diese Schlagzeile hervor kramt. "Nach der zweiten Impfung mit diesem Zeug war ich zwar nicht geboostert, dafür konnte ich aber sofort Italienisch. Fließend."

"Italienisch?", meldet Frau Meier zwar nur selten Zweifel an den Behauptungen ihrer Freundin an, aber wenn, dann richtig. "Meinst du vielleicht Rumänisch?"

Frau Schulze überlegt.

"Kann sein. Ich habe ja selbst nicht verstanden, was ich auf Italienisch so alles gesagt habe."

"Rumänisch."

Die zwei Corona-Frauen (XVIII)